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Meininger Theater - Die Säge ist angesetzt

Meininger Tageblatt, 23. September 2010 Die Bennert Gruppe

Die Bennert Gruppe
Torsten Berg von der Firma RÄK Spezialbau und Polier Konrad Kahle von der Firma Bennert kontrollieren die Sägefuge zwischen Natursteinsockel und Ziegelsteinmauerwerk

VON Eva Gebhardt
MEININGEN - "Die Vorbereitungen für die Verschiebung der rückwärtigen Wand des Meininger Theaters laufen auf Hochtouren. Am 1. Oktober wird sie ab 9.30 Uhr um 5 Meter in Richtung Englischer Garten verschoben.
Die Rückwand des Theaters wurde in den vergangenen Wochen über eine Metall- gurtung flächig mit einem Stahlfachwerk verbunden, die Fensterlichter mit Holzauskleidungen stabilisiert.
Die Translozion der Wand erfolgt in Regie der Firma Bennert aus Hopfgarten. Die Thüringer Bauspezialisten haben 2004 beispielsweise in Steinbach-Hallenberg bereits das komplette Korkenziehermuseum um etwa einen Kilometer zu seinem jetzigen Standort verschoben.

Mit einer diamantbesetzten Seilsäge haben Mitarbeiter der RÄK Spezialbau GmbH Sohnstedt bei Erfurt inzwischen die Rückwand fast komplett vom Gebäudekörper getrennt. Für das längsseitige Durchsägen der zwischen 80 Zentimeter und einem Meter dicken Wand aus Ziegelmauerwerk benötigten die Bauleute beispielsweise etwa eineinhalb Tage. Außerdem wurde die Wand quer zwischen dem Natursteinsockel und dem Ziegelmauerwerk durchtrennt. Die Verschiebung der Mauer samt Stahlfachwerk, das auf mehreren Doppel-T-Trägern aufliegt, wird etwa zwischen drei und vier Stunden dauern, erläutert der leitende Polier der Firma Bennert, Andreas Wallot. In der kommenden Woche werden noch die hydraulischen Hebevorrichtungen eingebaut. Mit deren Hilfe können die etwa 500 Tonnen am 1. Oktober in Bewegung gesetzt werden. Das "Dahingleiten" der Wand ist in der langen Geschichte des Meininger Theaters eine einmalige Sache.
Zuschauer, die sich das Schauspiel vom Englischen Garten aus ansehen möchten, werden dabei viel Geduld aufbringen müssen. Langsamer als Schnecke. Denn die Wand wird sich nur halb so schnell wie eine Schnecke bewegen, nämlich ungefähr mit 0,00142 Stundenkilometern. Oder anders gesagt, in drei bis vier Stunden bewegt sich die Rückwand um fünf Meter.

Zwar ist der Focus der Baufachleute momentan hauptsächlich auf die bevorstehende nicht ganz alltägliche Wandverschiebung gerichtet. Während der Vorbereitungen hierfür laufen unterdessen aber auch die Bauarbeiten im Inneren des Gebäudes weiter - natürlich eher unbemerkt von der Öffentlichkeit. Mit Beginn der Heizperiode funktioniert inzwischen auch die Heizung in den Verwaltungsräumen wieder. Die Verbindungsstränge zwischen Haupthaus und Verwaltungstrakt mussten im Zuge der Sanierungsarbeiten neu verlegt werden, erläutert der technische Direktor, Detlef Nicolmann. Ab Oktober können die Toiletten gemalert und gefliest werden, die Trockenbauarbeiten sind dort inzwischen fertig. Weitere Schwerpunkte der umfangreichen Sanierungsarbeiten sind die Garderoben, wo Zwischenwände eingebaut wurden. Im Untergeschoss wurden sämtliche Hausanschlüsse neu verlegt.

Der Bühnenbereich ist komplett entkernt, auch die Decke aus einem mit Gips ummantelten Metallgeflecht ist jetzt entfernt worden. So können hier nun ebenfalls die Trockenbauarbeiten mit der Isolierung des Daches begonnen. Das Raumgerüst im Inneren soll bis Anfang November wieder entfernt sein.