Die Restaurierung der Fassaden des Palas auf der Wartburg - Umsetzung eines restauratorischen Konzeptes - Stefan Haustein |
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Die Bedeutung der Wartburg "Wo steht die Burg, die ihr gleichkäme an geschichtlicher Bedeutung, an poetischer Weihe. Noch stehen die gewaltigen |
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1206 findet der Sängerkrieg statt, allerdings ist die historisch nicht belegt, sondern nur eine Legende. |
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Bau- und Restaurierungsgeschichte des Palas Der Palas, das älteste und in seiner Architektur beeindruckendste Bauwerk der Wartburg, war das Hauptgebäude der landgräflichen Burg. Der Palas wurde etwa zwischen 1157 und 1170 als Repräsentativ- und Wohnbau der Landgrafen errichtet. Dimensionen, gestalterische Klarheit sowie seine reiche Bauzier verweisen ihn in die ebenbürtige Nachbarschaft stauferzeitlicher Pfalzen und sicherten ihm unter den diesseits der Alpen noch erhaltenen Profanbauten des 12. Jahrhunderts eine Spitzenstellung. |
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Verbaute Materialien Hauptbaugestein des Palas ist ein gelblicher Rätsandstein. "Es handelt sich um einen sehr feinkörnigen Sandstein, der fast nur aus kleinsten Quarzkörnchen besteht und überwiegend durch kieselige, untergeordnet durch tonige Substanzen gebunden, d.h. verfestigt ist. In dieser Struktur und Zusammensetzung liegt seine leichte Bearbeitbarkeit auch zu feinsten plastischen Formen, wie sie uns in der Kapitellornamentik des Palas entgegentreten, und seine relative Haltbarkeit gegenüber Verwitterungsvorgängen begründet." |
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Schäden Die Schäden am aufgehenden Mauerwerk des Palas zeigten sich in sehr unterschiedlichen Schadbildern und mussten teilweise als sehr dramatisch bezeichnet werden. Das optisch- ästhetische Erscheinungsbild war durch die tiefgreifenden Oberflächenschäden stark beeinträchtigt. |
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Vorbereitung Musterflächen
Ab Oktober 1994 wurde in Vorbereitung der Gesamtsanierung einer Musterfläche an der Palas- Westfassade ausgeführt. Die Musterflächen umfassten folgende Schwerpunkte: Konservatorische Maßnahmen:
Rekonstruktionsmaßnahmen:
Flankierende Maßnahmen:
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Maßnahmen Richtschnur unserer Arbeiten war der "Bericht über steinrestauratorische Voruntersuchung, Maßnahmeplanung und Maßnahmedurchführung". Dieser Bericht wurde 1995 von Herrn Restaurator Stephan Scheidemann in Auswertung der Untersuchungen und der Musterfläche erstellt. Hier wurden die vielfältigen Informationen der Voruntersuchungen gebündelt und als Ausführungsbetrieb erhielten wir ein Kompendium, das Grundlage für die qualitätsvolle Ausführung war. |
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Reinigung Ziel der Reinigung ist, sämtliche Oberflächenauflagerungen, Materialneubildungen und Reparaturmaterialien, die das Material schädigen oder die künstlerische Aussage beeinträchtigen, zu entfernen. Im Ergebnis der Musterflächen kam ein kombiniertes Verfahren zum Einsatz:
Die maschinelle Reinigung an der West- und Südfassade mussten teilweise in der Nacht durchgeführt werden um den Führungsbetrieb nicht zu sehr zu beeinträchtigen. |
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Manuelle Reinigung Durch die manuelle Reinigung wurden alle defekten Verfugungen, Altergänzungen und Putze entfernt. Zur Anwendung kamen dabei die unterschiedlichsten Handwerkzeuge vder Steinmetze, aber auch elektrisch- betriebene Werkzeuge wie Trennschleifer und Fugenschneider. |
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Maschinelle Reinigung Die Reinigung erfolgte substanzschonend unter Erhalt der noch vorhandenen steinmetzmäßigen Bearbeitungsspuren. Es wurde in mehreren Zyklen gearbeitet: nach einer flächenhaften ersten vorsichtigen Bearbeitung wurden ähnlich wie beim Radieren die verschmutzten, verkrusteten Bereiche in bis zu drei Reinigungsvorgängen behutsam ausgedünnt. |
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Chemische Auflösung von Krusten In Teilbereichen wurden Gipskrusten, die durch andere Verfahren nur mit Substanzverlust zu entfernen sind, unter Verwendung von Komplexonsalzpasten aufgelöst. Für einen ausreichenden Effekt zu erzielen waren hier 3 bis 4 Behandlungen notwenig. Den Abschluss dieser Maßnahme bildete immer eine Kompressenentsalzung. |
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Entsalzung/Salzminimierung In den Voruntersuchungen wurde partiell eine hohe Gipsbelastung aber auch Natriumsulfat, Chloride, Nitrate |
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Konservierung Festigung Die Werksteinschäden lassen sich im Wesentlichen zwei Gruppen zuordnen: 1. Bereiche mit Entfestigung der Außenzone, deren Schadausmaß mit zunehmender Höhe stärker wurde |
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Basisfestigung Entsprechend der Vorgaben der Leistungsbeschreibung wurden Bereiche mit Entfestigung der Außenzone mit Kieselsäureester imprägniert: Zur Anwendung kam Remmers Funcosil 300. |
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Partielle aufbauende Festigung Unter partieller Festigung ist die "Festigung der desolaten Materialsubstanz in ihrer kleinsten Dimensionierung |
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Klebung "In der Steinrestaurierung werden heute fast ausschließlich Epoxid-, manchmal auch ungesättigte Polyesterharze zum Verkleben größerer Bruchstücke verwendet.". |
![]() Abbildung 3- Basisfestigung mit Kieselsäureester |
![]() Abbildung 4- Konservative Oberflächenbearbeitung mit Dispersionsmörtel |
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Behandlung von metallischen Einbauten Die stählernen Fensterrahmen in den Arkaden und die Ankerplatten wurden im Trockenstrahlverfahren entrostet und mit einem Korrosionsschutzanstrich im Schuppenpanzersystem versehen. Die Fugen zwischen Fensterrahmen und Naturstein wurden mit RS-3K-EpoxiFugenmörtel der Fa. Schmalstieg verschlossen.
Für die Formergänzungen wurden mehrere Muster mit Werktrockenmörteln verschiedener Hersteller entsprechend der durch das LV vorgegebenen Parameter angelegt. Hinsichtlich der Verarbeitung, Oberflächenerscheinung und Struktur gab es zwischen den unterschiedlichen Mörtel der Firmen Remmers, Interacryl und Rajasil kaum Unterschiede. Wegen des dem Originalstein sehr ähnlichen Farbtones fiel die Entscheidung auf Motema CC Sandstein.
Nach Bewertung der Schäden und unter Berücksichtigung der Zielstellung erstellten wir im Rahmen der Musterflächen für die Steinergänzung auch eine Probe mit dem seit über zwanzig Jahren, vor allem in Thüringen, eingesetzten Acrylatdispersionsmörtel. |
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Verarbeitung von acrylatdispersionsgebundenenSteinersatzstoffen
Verarbeitung der Steinergänzungsmörtel Die zu beschichtenden Steinoberflächen sind unmittelbar vor dem Antrag der Steinergänzung mit 2 %iger Dispersion vorzubehandeln (die Oberflächen werden eingestrichen und die Ergänzung auf den noch feuchten Untergrund aufgetragen).
Da es sich bei der Dispersion um eine wässrige Dispersion eines Acrylat-Copolymeren handelt, ist eine Verarbeitung bei Frost oder bei zu erwartender Frosteinwirkung auszuschließen. Die Lufttemperatur sollte die Mindestfilmbildungstemperatur der Dispersion (14°C) nicht unterschreiten.
An der Ostfassade des obersten Geschosses war eine Sanierung der bestehenden Putzfelder erforderlich. Die historischen Putze wurden dabei, soweit sie noch nicht zu verschließen waren, verfestigt, hinterfüllt und überschlämmt. Die Rekonstruktion der Putzfelder erfolgte mit einem hochsulfatbeständigen Mörtel nach Vorgabe der mfpa Weimar.
Bei den mehrfachen Sanierungen des Palas wurden verschiedenste Mörtel mit unterschiedlichen Bindemitteln und Kornzusammensetzungen zur Fugensanierung eingesetzt. Im Wesentlichen wurden alle Sekundärmörtel entfernt. Dabei war festzustellen, dass vor allem die zementgebundenen Fugenreparaturen im aufgehenden Mauerwerk in der Regel eine Dimension von maximal 40 mm aufwiesen. Für die Neuverfugung erfolgte eine Ausarbeitung der Fugen bis in eine Tiefe die mindestens der doppelten Fugenbreite entspricht.
Für die unterschiedlichen Natursteinvarietäten sind aus bauphysikalischer Sicht und der zu erzielenden gestalterischen Wirkung der Fuge unterschiedliche Mörtelrezepturen notwendig gewesen. |
Tabelle 3- Rezeptur Fugenmörtel Sandstein Kalkstein |
Tabelle 4- Rezeptur Fugenmörtel Konglomerat in Vol.-% |
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Fugen Metall/ Stein Die Neuverfugung der extrem belasteten Fugen zwischen Gesimsverblechung aus Kupferblechen und Werksteinen erfolgte unter Verwendung eines zweikomponentigen Fugenmörtels, mit einer hohen Elastizität und der Fähigkeit Längenänderungen, z.B. durch Temperaturschwankungen aufzunehmen.
Aufgrund der starken Schädigungen an den wasserableitenden Systemen, verstärkt durch die nicht materialgemäßen Restaurierungen des 20 Jahrhunderts, musste in Teilbereichen ein Ersatz der Schadstellen in Naturstein ausgeführt werden. Dieser Eingriff in die originale Bausubstanz sollte jedoch auf ein Minimum begrenzt werden.
Die Konservierung der Palasfassaden erfolgte in 8 Bauabschnitten von 1994 bis 2002. Im Rahmen der Ernennung der Wartburg zum Weltkulturerbe wurde uns von der UNEseo- Kommission eine hervorragende Arbeit mehrfach bestätigt. Das Ziel der Restaurierung, die technische Funktionalität unter Bewahrung der historischen Authentizität wieder herzustellen, ist gelungen. |
| Die weiterentwickelten Rezepturen für Fugenmörtel aber besonders für den Dispersionsmörtel bildeten die Grundlage für erfolgreiche Restaurierungen an anderen Objekten, wie zum Beispiel die Erker am Französischen Bau der Heldburg, die Kirche St. Wigbert in Erfurt, die Katholische Pfarrkirche in Scheinfeldl Bayern. Auch auf der Wartburg wurden mittlerweile die Restaurierungsarbeiten am Südturm, dem Gadem und der Dirnitz mit den Kenntnissen aus der Palasrestaurierung erfolgreich abgeschlossen. |