Ein städtebauliches Glanzlicht - Das Gebäude beeindruckte 1892 einen Reiseschriftsteller |
| NRZ, Verlagssonderveröffentlichung, 17. September 2011 |
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Wesel. Eine Idee wird Wirklichkeit - so lautete das Motto der Weseler Bürgerinitiative Historisches Rathaus vor Jahren, als noch gar nicht genau klar war, wie diese Idee denn umgesetzt werden kann. Jetzt ist diese Wirklichkeit da und jeder kann sehen, was viele engagierte Weseler Bürgerinnen und Bürger geschafft haben. Zurzeit wird noch der letzte Feinschliff gemacht, bevor morgen die offizielle Übergabe stattfindet. "Das Rathaus ist das edelste, auch geschmackvollste, was ich je in gotischem Stil sah", so umschrieb der Kunsthistoriker und Reiseschriftsteller Alban Stolz seine Eindrücke, als er am 14. September 1892, also vor 119 Jahren, im Rahmen einer Rheinfahrt Wesel einen Besuch abstattete. Ob die Gäste in Wesel dies künftig auch so sehen, muss abgewartet werden, doch schon jetzt ist das Echo groß, denn der Große Markt im Schatten des mächtigen Willibrordi Doms hat ein anderes Gesicht bekommen. Dessen war sich der heutige Chef des Bundeskanzleramts und Bundesminister für besondere Aufgaben Ronald Pofalla aus Weeze schon vor Jahren bewusst. Der Christdemokrat schrieb der Bürgerinitiative: "Ich bin beeindruckt von Ihrem Engagement... der Stadt Wesel ein städtebauliches Glanzlicht wieder zu geben... Gerade als Niederrheiner freue ich mich auf den Tag, an dem die Fassade des Historischen Rathauses und damit ein Teil unserer kulturellen Identität wieder bewundert werden kann." Morgen ist dieser Tag, ein Anlass ein wenig zurückzuschauen auf die wechselvolle Geschichte des historischen Rathauses, die mit dem Bau in den Jahren 1455 bis 1500 begann. Damals kaufte der Magistrat zwei nebeneinander stehende Häuser für die Fleischer und den Rat und ließ eine Schmuckfassade davor bauen. Immerhin war Wesel die drittgrößte Stadt des Kölner Drittels und der wichtigste Umschlagplatz zwischen Amsterdam und Köln, so dass sich repräsentativer Bau gut machte. Im 1. Stock wurden an der Fassade sieben Heilige platziert: St. Willibrord (Schutzpatron der damaligen Stadtkirche einen Steinwurf entfernt), Jungfrau Maria, St. Christophorus (Schutzpatron der Reisenden), St. Antonius (Schutzpatron der Händler und Fernkaufleute) und die Heiligen Drei Könige als Referenz an den Wallfahrtsort Köln. 1698 wurde der Rathausturm verändert und aus der Spitze eine barocke Haube, wie sie nun zu erkennen ist. 1858 fand dann eine grundlegende Renovierung statt und sechs der Heiligen - Ausnahme: Willibord - verschwanden. Dafür kamen weltliche Herrscher: Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Herzog Adolf I. von Kleve, Kaiser Karl der Große, Kaiser Rudolf von Habsburg, Graf Dietrich VIII. von Kleve und Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg. Im Laufe der Jahrhunderte besuchten schließlich zahlreiche gekrönte Häupter die Stadt und gaben sich die Ehre auf der Markttreppe. Kaiser und Könige, Herzöge und der revolutionäre Soldatenrat standen dort und schauten auf das Volk. Künftig könnte hinter der Fassade auch ein repräsentativer Raum entstehen, für Empfänge etwa und eventuell für Trauungen. Doch bis dahin fließt sicher noch viel Wasser den Rhein runter... |