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Gemeinsam dem märkischen Morast abgetrotzt – die Rettung und Wiedererweckung von Burg Storkow

Die Bennert Gruppe

Dort, wo heute Besucher des Kultureums auf der Burg Storkow entspannt Konzerten lauschen und im Natureum Ausstellungen zu Natur und Geschichte betrachten können, fühlten sich noch vor zehn Jahren Brenn- nessel, Giersch und Quecke heimisch. Vom einst stolzen bischöflichen Wohnschloss, dem Palas, standen zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahrzehnten nur noch die Außenwände. Ein Großbrand hatte Ende der siebziger Jahre den Renaissancebau schwer zerstört. Zudem drohte die Burg als eine der ältesten und bedeutendsten Burganlagen des östlichen Brandenburg buchstäblich fast unterzugehen. Der Palas versank in nur zweieinhalb Jahren um 13 Zentimetern im märkischen Boden. Zumindest mittelfristig stand der Gesamtverlust der Burganlage bevor.
Vor mehr als 800 Jahren war die Burg Storkow Ausgangspunkt der deutschen Besiedlung Ostbrandenburgs gewesen. Urkunden aus dem Jahr 1209 benennen erstmals Burg und Stadt Storkow. Die mittelalterliche Burganlage legte man als Niederungsburg in sumpfigem Gelände an. Doch bereits vorher wählten die im Frühmittelalter in diesem Gebiet siedelnden Slawen den vor Feinden sicheren Standort im märkischen Morast für ihre befestigte Siedlung; auch der slawische Name von Ort und Burg leitet sich wohl aus dem feuchten Wohnort ab: „sturkuowe“ – Weg durch den Sumpf.

Aus der eintausend Jahre alten Entscheidung für eine Sumpfburg resultierten ebenso typische wie massive Probleme bei der Erhaltung des Bauwerks. Die Gründung der Ziegel- bauten bestand aus Spickpfählen, einer in feuchten Baugebieten seit dem Mittelalter durchaus üblichen Gründungsart. Dabei rammte man kurze Pfähle dicht an dicht und zueinander versetzt in den Untergrund, so dass der entstehende verfestigte Erdkörper als Fundament wirken konnte. Auf dem - aus Sicht der heutigen Bodenmechanik – so entstandenen „bewehrten Verbundkörper“ und damit direkt auf den Pfahlköpfen ruhte das aufgehende Mauerwerk. Im Falle der Burg Storkow jedoch waren diese Pfahlköpfe durch säurebedingte Hydrolyse und hinzutretenden Pilzbefall so fortschreitend verrottet, dass unkontrollierte Absenkungen mit Setzungsraten von mehreren Zentimetern pro Jahr und damit erhebliche Deformationen an der gesamten Burganlage folgten.

Wenn der oft strapazierte Begriff einer konzertierten Aktion ein in der Denkmalpflege beheimatetes Beispiel bräuchte: Die Rettung der Burg Storkow wäre ein Exempel par excellence. Nicht nur, dass der verantwortliche Architekt – mit den ohnehin mannigfaltig auftretenden Problemen auf einer dreizehn Jahre andauernden Baustelle kämpfend - sich fortdauernd erfolgreich gemeinsam mit dem Bauherren um die Finanzierung der Bau- maßnahmen bemühte. Nicht nur, dass sich die Stadt Storkow zum mutigen Schritt der Wiederbelebung dieses wichtigen Zeugnisses der Landesgeschichte bekannte. Der Vielseitigkeit der zu bewältigenden Aufgaben stellte sich auch unsere Firmengruppe während der vergangenen Jahre mit beinahe ihrem gesamten Leistungsspektrum. Die Fülle der auf Burg Storkow ausgeführten Arbeiten in diesem Rahmen darzustellen, kann nur im Ansatz möglich sein. Diese Bandbreite ist jedoch beispielhaft für die Stärke unserer Firmengruppe, in der Facharbeiter, Handwerksmeister und Ingenieure in nahezu allen Gewerken am Ziel einer innovativen und qualitätvollen Arbeit am Baudenkmal arbeiten, und daher soll deren Aufzählung hier etwas ausführlicher gestattet sein.

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Bild 1: Der ehemalige Innenraum des Palas war nach zwei Jahrzehnten beinahe renaturiert

Unsere Garten- und Landschaftsbauer schufen mit der Anlage von nicht alltäglichen Baustraßen, Dränagen und durch temporäre Wasserhaltungsmaßnahmen die Voraussetzung für den Transport von Technik und Baumaterialien auf dem schwierigen Untergrund. Die Abteilung Spezialtiefbau nahm die Herausforderung unter teils sehr schwierigen Bedingungen an, den biotopartig überwachsenen Gewölbekeller im Palas zu beräumen und mit einer Nachgründung durch Klein- bohrpfähle das Gebäude und das nebenstehende Brauhaus zu stabilisieren. Die Arbeiten begannen gerade noch rechtzeitig: Ein kalter Winter und der anschließende Wechsel von Frost- und Tauwetter- perioden führten zu heftigen Bewegungen im noch ungesicherten Gemäuer und bereits zum Teileinsturz des Gewölbekellers. Allein diese Spezialarbeiten nahmen etwa ein Jahr Bauzeit in Anspruch. Die Gesamtlänge der an der Burg eingebrachten Bohr- pfähle, die bis zu dreizehn Metern in die Tiefe reichen, würde eine Strecke von 2,5 Kilometern ergeben. Schon die Zahlen von 1400 m³ Beton und 200 t Bewehrungs- stahl verdeutlichen die Mengen der mit Streichbalken, Fundamenten, Bodenplatten und Decken notwendigen neuen Tragelemente an diesen Gebäuden der Burg.

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Bild 2: Der Kontrast aus Ziegel- und Zyklopenmauerwerk prägt wieder das Erscheinungsbild der Burg

Die erhaltenen Teile des Kellergewölbes sicherte man mit bewehrten Spritzbetonschalen, die historischen Umfassungsmauern bekamen eine Nachgründung aus Ortbetonpfählen. Verantwortlich für den mittlerweile wieder malerisch erstrahlenden Kontrast aus Ziegelstein- und Zyklopenmauerwerk am Palas und den historischen Burgmauern zeichnet unsere Maurer- abteilung, die bei den umfangreichen Arbeiten alle Register ihrer Handwerkskunst zog: Den Ergänzungen des Mauerwerks im Bereich der Wände und Gewölbe mit verschiedensten Ziegelsteinen, der Fugensanierung, den Abdichtungsmaßnahmen und dem Aufbringen von Putzen und Lasuren gingen Verankerungen und Ver- nadelungen in unterschiedlichsten Ausführungen voraus. Risssanierungen wurden ebenso ausgeführt wie
Hohlraumverfüllungen mit Injektionsschaummörtel. Den Schwammbekämpfungsmaßnahmen mit Erhalt des Bestandsmauerwerks stand der Neubau der gesamten nördlichen Umfassungsmauer inklusive eines Torbogens

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Bild 3: Das Galeriegeschoss hängt mit Stahsonderteilen am offenen Dachstuhl und lässt so ein stützenfreies Erdgeschoss im Palas zu

gegenüber. Unsere Steinrestauratoren übernahmen es, Formergänzungen im Bereich von Ziegelsteinflächen und Naturwerksteinen vorzunehmen. Insgesamt waren am Ende etwa 100.000 Ziegelsteine und etwa 350 t Mauerund Fugenmörtel verbaut worden. Einer anspruchsvollen Aufgabe stellten sich auch unsere Zimmerleute: Der Dachstuhl des Palas sollte vollständig neu errichtet, der des Brauhauses wegen des hohen Schädigungsgrades substantiell erneuert werden. Die überlieferten Formen von Dach und Gauben treten nun wieder nach außen in Erscheinung. Auf eine Wieder- herstellung historischer Zustände im Inneren wurde jedoch verzichtet (siehe Kalenderbild). Der sparsame, raumbildende Ausbau in Form einer in den offenen Dachstuhl eingehangenen Galerie verfolgt den Gedanken einer Halle und gibt die Untersicht in den ingenieurstechnisch abgebundenen Dachstuhl und seine Verspannungen und Stahlsonderteile frei. Dabei gelang es, den Dachstuhl an den historischen – sich aus der
Parallelen entfernenden – Verlauf der Palasmauern anzupassen, ohne dass dies nach außen hin sichtbar wäre. Einen neuen, wenn auch kleinen Dachstuhl erhielt ebenso die neu errichtete Toreinfahrt. Im Ganzen wurden etwa 150 m³ Holz verschiedenster Qualitäten verbaut.
Den Dachstuhl des Palas’, des Brauhauses und des Torbogens deckten unsere Dachdecker in einer gemischten Biberschwanzdoppeldeckung ein. Diese Art der Dachdeckung zeichnet sich durch ein besonders lebendiges Erscheinungsbild – wie das einer historischen Deckung – aus. Dabei wurde das Dach mit Ziegeln zweier Hersteller eingedeckt: eine seltene und nur von uns angewandte, aber im Ergebnis ästhetisch sehr überzeugende Maßnahme. Eine weitere Besonderheit des Daches sind die Fledermausgauben, deren Details der Zimmerer- als auch der Dachdeckerleistungen eine Ausnahmeerscheinung darstellen. Die Traglattung etwa wurde bei diesen Gauben mit Rundstahl statt in Holz ausgeführt. Damit konnte auf die sonst übliche Schwächung der Lattung durch Einsägen verzichtet werden. Zudem erlaubt der Rundstahl eine Verformung in zwei Biegerichtungen. Unsere Zimmerer begaben sich im Inneren der Fledermausgauben in die Tradition von Flugzeugbauern der Anfangsjahre der Fliegerei und verkleideten diese durch dünnes Birkensperrholz, das die geschweifte Form der äußeren Gauben vollständig aufnimmt. Die Mauerkronenabdeckungen und Wand- anschlüsse führten unsere Dachspezialisten in Walzblei aus.

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Bild 4: Auch die Umfassungsmauern der Süd- und Ostseite konnten durch Spezialtiefbau stabilisiert werden

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Bild 5: Heute bilden Brauhaus und Palas den malerischen Hintergrund auch für die häufigen Freiluftveranstaltungen im Burghof

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Aus der Luft erkennt man den Charakter der Niederungsburg ohne die Lage auf einer schützenden Anhöhe

Eine Liste mit Danksagungen kann nach dem Abschluss eines solchen Bauvorhabens nur zu kurz sein. Zunächst sei – auch dies ist ungewöhnlich – einem Nachunter- nehmer besonders gedankt, obwohl wir dessen Leistungsspektrum auch im eigenen Haus anbieten. Herr Wolfgang Gräber und sein Team von der Storkower Firma Metall- und Treppenbau Gräber unterstützte uns viele Jahre flexibel und kompetent und war uns ein guter Partner nicht nur dabei, die 40 t Profilstahl in eine schwebende Galerie zu verwandeln. Auf Seiten des Bauherren, der Stadt Storkow, ist ein besonderer Dank an Herrn Filor und Frau Wiatrowski vom Bauamt der Stadt, der Bürgermeisterin Frau Gericke und Herrn Krumbein und den Kolleginnen vom Tourismusbüro auf der Burg auszusprechen. Für uns besonders beeindruckend in der Suche nach pragmatischen Lösungen für unlösbar Scheinendes und ein stets fairer Vertreter des Bauherren waren die Architekten Ines und Thomas Alt vom Architekturbüro Alt aus Potsdam.

ank auch an das Statikerteam des IFS Halberstadt und hier insbesondere an Herrn Dr. Lind und Herrn Stackfleth sowie an das Planerteam der Haustechnik mit Frau Schneider und der Freianlagen mit Herrn Schneider aus Storkow. Als Sicherheitsinspektor mit ständig andauernder Kompromissbereitschaft ist schließlich noch Herrn Roloff besonders zu danken.

Im Bauzeitraum von 2003 bis 2009 waren wir mit etwa 50 verschieden Mitarbeitern in Storkow tätig, die alle zu benennen eine zusätzliche Seite im Kalender fordern würde. Stellvertretend für die oft auch an den Wochenenden tätigen Kollegen seien genannt: Andreas Wallot, Hans-Jürgen Gennrich und seine Storkower Kollegen, Ronald (Arno) Freise, Wolfgang Hecker, Thomas Kirst, Herbert Lemke, Norbert Trautmann, Manfred Baschin, Frank Jautze, Steffen Völker, Michael Schneider,  Uwe Hartert, Michael Pyka, Günther Christ, Jörg Kohlberg, Karl-Heinz Baumbach mit seinen Zimmerern, Walter Wazula und seine Dachdeckerkollegen