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Wie ein Phönix aus der Asche – Weimars neue Vorzeigeschule, das Humboldt-Gymnasium

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Es war mit Abstand einer der größten Aufträge unserer Firmengeschichte im Bereich Garten- und Landschaftsgestaltung. Für ein Gesamtauf- tragsvolumen von knapp 1,5 Mio. € erneuerten wir von Grund auf die gesamten Außenanlagen des neugegründeten Humboldt-Gymnasiums im Plattenbauviertel Weimar-West. Auf einer Fläche von insgesamt etwa 15.000 m² waren nahezu alle Leistungen auszuführen, die dem Gewerk Gala-Bau zugeordnet werden. So wurden unter anderem 5.200 m² Rasenfläche angelegt, 5.500 m² Pflaster-, Betonplatten- und Parkplatz- fläche hergestellt, mehrere hundert Kubikmeter Stützwände aus Beton und Naturstein aufgemauert und ca. 1.800 einzelne Pflanzen unterschiedlichster Arten angepflanzt.
Hinzu kommen zahlreiche Einzelinstallationen, wie etwa ein Beachvolleyballfeld, diverse Spielgeräte, ein Trampolin, das sog. „Grüne Klassenzimmer“ oder das „Mondtor“, welche die neuen Außenanlagen zusätzlich aufwerten. Eine wichtige Maßgabe an dem neu gestalteten Schulhof war auch, dass er behindertengerecht angelegt ist, was z. B. mit einer Behindertenrampe neben den Treppen im Eingangsbereich umgesetzt wurde. Das Schulgebäude des Humboldt-Gymnasiums wurde 1980 in typischer Plattenbauweise inmitten des Neubauviertels Weimar-West errichtet und trug noch bis 1991 den Namen „Wladimir Iljitsch Lenin-Schule“, benannt nach dem zweifelhaften Idol des DDR-Regimes, dessen richtiger Nachname übrigens Uljanow war („Lenin“ ist ebenso wie „Stalin“, „Che“ oder „Ho-Chi-Minh“ ein sogenannter nom de guerre, ein Kampfname). Danach wurde die Bildungseinrichtung in „Hoffmann v. Fallersleben- Gymnasium“ umbenannt und war damit eines der ehemals vier Gymnasien in Weimar.

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Bild 1: das Mondtor

Am 20.12.2001 erlebte die Schule den wohl dunkelsten Tag ihrer Geschichte: Die damals 20-jährige Schülerin Katrin G. lief kurzerhand in den benachbarten Supermarkt, kaufte dort mehrere Flaschen Brenn- spiritus und legte anschließend ein Feuer im westlichen Trakt des Gebäudes. Es grenzt an ein Wunder, dass es bei der darauffolgenden panischen Evakuierung der Schule mit etwa 400 Schülern und 45 Lehrern keine Toten zu beklagen gab. Lediglich zehn Personen zogen sich leichte Verletzungen durch Rauchvergiftungen und Sprünge aus Fenstern zu. Der Sachschaden ging allerdings in die Millionen. Katrin G., die bereits im Alter

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Bild 2: Grünes Klassenzimmer

von 17 Jahren Mutter wurde, war aufgrund unge- nügender schulischer Leistungen nicht zum Abitur zugelassen worden, was sie wahrscheinlich maßgeblich zu diesem Anschlag motivierte. Als sie sich ein halbes Jahr später wegen versuchten Mordes in 446 Fällen, schwerer Brandstiftung, Sachbeschädigung und Körperverletzung in zehn Fällen vor Gericht zu ver- antworten hatte und schließlich zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt wurde, stand der Prozess bereits im Schatten einer ungleich schrecklicheren Tragödie - dem Massaker am Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Dort hatte der ehemalige

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Bild 3: Behindertenrampe im Eingangsbereich

Schüler Robert Steinhäuser 16 Menschen und anschließend sich selbst erschossen. Sein Motiv war ebenfalls die Frustration über seinen Ausschluss von der Abiturprüfung. Der Tattag, der 26. April 2002, der gelegentlich auch als „11. September der Deutschen“ bezeichnet wird, erschütterte die Gesellschaft in ihren Grundfesten. Es war zwar nicht der erste Amoklauf an einer deutschen Schule, wohl aber der erste mit einer so hohen Opferzahl. Derartige „amerikanische Ver- hältnisse“ hätte in der Bundesrepublik bis zu diesem Zeitpunkt niemand für möglich gehalten.

Wesentlich schlimmer noch als die Tat an sich ist dabei noch der Umstand, dass sie für ähnliche verzweifelte und verirrte Schüler Vorbildcharakter und Motivation zur Nachahmung entwickeln kann und damit einem Dammbruch gleichkommt. So konnte man bereits in der SPIEGEL-Ausgabe 18/2002 vom 29.04.2002, Seite 80 lesen:
Experten der klinischen Psychiatrie in Deutschland warnen vor einer Spirale blutiger Amoktaten: „Erfurt ist zwar einzigartig, was die Exzessivität angeht. Doch die Tat stehtin einer Linie, die 1999 mit dem Amoklauf von Littleton in den USA begonnen hat und die sich in Deutschland mit den Amokläufen von Bad Reichenhall oder Freising fortgesetzt hat“, sagt der Münchner Jugendpsychiater Franz Joseph Freisleder. Freisleder, der als Gerichts- gutachter häufig mit gewalttätigen Jugendlichen zu tun hat, hält diese Gewaltexzesse für Nachahmungstaten: „Die Fernsehbilder haben den Tätern erst die Idee geliefert, ihrem Leben auf solch spektakuläre Weise ein Ende zu setzen.“ Nach jeder derartigen Amoktat, das hat außerdem der Villinger Kriminalpsychologe Adolf Gallwitz beobachtet, beginnt in einschlägigen Internetforen ein makabrer Gedankenaustausch. „Da geht es dann um die Frage, was der Täter wohl hätte besser machen können.“ Bei einigen falle dies auf fruchtbaren Boden.

Eine Warnung, die sich mit dem Amoklauf von Winnenden im März 2009 auf traurige Weise bewahrheitet hat. Doch wie kann die Politik diesem ernsthaften gesellschaftlichen Problem, das sich da abzeichnet, begegnen? Zwei recht populistische und durch einen Großteil der Medien immer wieder gern propagierte Forderungen haben da zum einen die Umwandlung unserer Schulen in Hochsicherheitstrakte und zum anderen das umfassende Verbot von Gewalt-Medien, insbesondere von sogenannten „Killerspielen“, zum Gegenstand. Während ersteres in flächendeckender Form an der angespannten Finanzlage der öffentlichen Haushalte scheitern dürfte, ist letzteres allein auf nationaler Ebene ebenfalls nicht durchsetzbar. Über das Internet werden zahllose Videos und Spiele parallel zum regulären Softwaremarkt ausgetauscht, so dass sich ihre Verbreitung überhaupt nicht wirksam kontrollieren lässt. Eine wirklich effiziente Maßnahme, um zumindest die Zahl der potentiellen Todesopfer bei zukünftigen Amoktaten zu reduzieren, wäre eine weitere drastische Verschärfung des Waffenrechts bis hin zum absoluten Schusswaffenverbot für Privatpersonen. Denn es darf nicht vergessen werden, dass beide Taten, sowohl in Erfurt als auch in Winnenden, mit legalen Waffen verübt wurden. Eine langfristigere und wesentlich schwierigere Aufgabe bestünde in der Organisation einer besseren psychologischen Betreuung unserer Kinder an den Schulen, um das Kernproblem, nämlich die soziale Isolation und das unbemerkte Anstauen von Frustration und Ängsten, zu lösen.

Nach dem verheerenden Brand Ende 2001 wurden die Gebäude des damaligen Hoffmann v. Fallersleben-Gymnasiums umfassend saniert. Im Zuge dessen bekamen auch die Fachkabinette der Schule eine neue Ausstattung. Im Jahre 2006 reagierte die Stadt Weimar schließlich auf die geburtenarmen Jahrgänge der 80er und 90er Jahre, indem sie zwei ihrer vier Gymnasien, nämlich das Fallersleben- und das Sophiengymnasium, zum Humboldt-Gymnasium fusionieren ließ. Diese neue Bildungseinrichtung brachte man folgerichtig in den frisch sanierten Neubaugebäuden des ehemaligen Fallersleben-Gymnasiums unter. Die Humboldt-Schule zeichnet sich durch einige bemerkenswerte Alleinstellungsmerkmale aus, etwa die Integration blinder und sehbehinderter Kinder, einen fakultativen Schwerpunkt Französischunterricht nebst der Möglichkeit zur Absolvierung eines französischen Abiturs (baccalauréat) sowie ein breitgefächertes Sportangebot. Ende 2006 begannen dann schließlich mit einem symbolischen Spatenstich des Weimarer Oberbürgermeisters Stefan Wolf die umfangreichen Bauarbeiten zur Umgestaltung der Freigelände.

Wir danken der Stadt Weimar, namentlich Frau Schulz und Frau Knobeloch für das entgegengebrachte Vertrauen sowie Herrn Rehm vom Planungsbüro Ihle Landschafts-architekten BDLA für eine konstruktive Zusammenarbeit. Von unseren eigenen Mitarbeitern möchten wir besonders lobend das Engagement des Vorarbeiters Herrn Georg Ludwig erwähnen, der diese großvolumige, anspruchsvolle Baustelle bei laufendem Schulbetrieb weitgehend selbstständig organisiert hat. Ebenfalls große Verdienste haben sich bei diesem Mammutprojekt unserer Abteilung Garten- und Landschaftsgestaltung erworben: Wolfgang Tille, Daniel Gehre, Uwe Garnat, Christian Scholz, Thomas Vent, Helmut Schmidt, Oliver Kunze, Sandro Dannehl