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Von oben bearbeitet, von oben fotografiert – Schloss Plötzkau im Salzlandkreis

Die Bennert Gruppe

Dem Namen nach zu urteilen, reicht die Geschichten des Ortes Plötzkau bis in die Zeit der Völkerwanderung zurück. In deren Endphase um 600 n. Chr. rückten die Slawen von Südosten bis zur Saale vor; einzelne Stämme überschritten sogar den Fluss. Weil die Bezeichnung Plötzkau auf das slawische Wort „Plotitztko“ zurückgeht, was soviel wie „umzäunter Platz“ bedeutet, ist Plötzkau als eine Gründung der Saale- slawen anzusehen. 748 n. Chr. eroberten die Franken das Gebiet zwischen Saale und Ostharz und sicherten es durch eine Befestigungs- kette, in die wohl Plötzkau schon mit einbezogen war. Erstmals urkundlich erwähnt wird dort eine frühmittelalterliche Rundburg im Jahr 1049; Berhard von Hecklingen war vermutlich der erste Burggraf von Plötzkau.

Der letzte Vertreter dieses Grafengeschlechts, Bernhard II., kam 1147 im zweiten Kreuzzug um. Um das Erbe der Plötzkauer entbrannte ein erbitterter Streit zwischen Markgraf Albrecht dem Bären und dem Sachsenherzog Heinrich dem Löwen, den der Markgraf für sich entscheiden konnte. Später kam Plötzkau unter die Lehnsherrschaft des Stiftes Gernrode, die bis 1436 andauerte. Von da an befand sich die romanische Burganlage im Besitz der Linie Anhalt-Bernburg. In der Mitte des 16. Jahrhunderts war ihr baulicher Zustand so schlecht, dass auf ihrem Grundbestand zwischen 1566 und 1573 das heute noch weitgehend erhaltene Renaissanceschloss errichtet wurde. Der mittelalterliche Bergfried erhielt dabei seine charakteristische Haube mit den vier Ziergiebeln, die das Bild des Schlosses weithin über die Saaleaue prägt. Das 17. Jahrhundert brachte Plötzkau neben einigen barocken Umbauten auch eine skurrile Episode feudaler Kleinstaaterei. Als Fürst Christian I. Das 17. Jahrhundert brachte Plötzkau neben einigen barocken Umbauten auch eine skurrile Episode feudaler Kleinstaaterei. Als Fürst Christian I. von Anhalt-Bernburg 1611 das Amt Plötzkau für 100.000 Taler an seinen Bruder August verkaufte, errichtete dieser dort das souveräne reichsunmittelbare Fürstentum Anhalt-Plötzkau mit 40 Quadratkilometern Fläche, 2.000 Untertanen und einer aus 20 Kriegsknechten bestehenden Armee. Der Zwergstaat sollte nicht lange bestehen: Mit dem Tod des Souveräns 1665 erlosch er nach nur 54 Jahren. Im 18. Jahrhundert endet die Funktion des Schlosses als repräsentative Fürstenresidenz; es folgen Nutzungen als Lackwarenfabrik, Besserungsanstalt, Domänenverwaltung und Unterkunft für Flüchtlingsfamilien nach 1945. Im Jahre 1996 geht die Anlage in das Eigentum der Stiftung Dome und Schlösser des Landes Sachsen-Anhalt über.

Mit dem Schloss übernahm die Stiftung auch die schwere Bürde eines gewaltigen Reparaturstaus. Zwar hatte man nach dem Einsturz eines Zwerchgiebels bereits in den Jahren 1865 bis 1870 alle 21 Giebel grundhaft saniert oder erneuert, doch war durch langanhaltende Vernachlässigung der Zustand der Gebäude schon in den 1980er Jahren so schlecht, dass der Physiklehrer Günter Bartel aus Plötzkau erste bescheidene Sicherungsmaßnahmen initiierte und leitete. So durfte allein unser Unternehmen in 6 Bauabschnitten folgende Leistungen ausführen:

Turm ab letzter Deckenebene: Spezialgerüstbau
                                             Zimmererarbeiten
                                             Dachdecker- und Klempnerarbeiten
                                             Maurer- und Putzarbeiten
                                             Steinmetzarbeiten
saaleseitiger Schlosskomplex: Zimmererarbeiten
                                             Dachdecker- und Klempnerarbeiten
                                             Maurer- und Putzarbeiten
                                             Steinmetzarbeiten

Bei der Bearbeitung der hochgelegenen Turmhaube war das – noch immer von uns exklusiv eingesetzte – Konsolgerüst am umlaufenden Stahlseil eine kostensparende Zugangstechnik (deren Anwendungsmöglichkeiten unser Firmenkalender schon auf den Blättern 3/96, 8/03, 1/06 und 3/07 thematisiert hat). Die Biberschwanzdoppeldeckung des Turmes erwies sich als farblich gemischte Deckung mit vier eingebundenen Ziegelkehlen recht anspruchsvoll; auf die darunter liegenden Dachflächen wurde eine Biberschwanzeinfachdeckung mit Holzspließen aufgebracht, welche eine Lagesicherung mittels korrosionsfester Klammern erhielten. Auch hier sind die Kehlen Ziegelkehlen, die als sogenannte untergelegte Schnittkehlen unter die Einfachdeckung der Flächen laufen. Die umseitige Ansicht des Schlosses Plötzkau wurde – wie auch zwei weitere Bilder des Kalenders – von unserem ferngesteuerten Fotohelikopter aufgenommen, der durch eine Zweitaktkolbenmotor- angetrieben wird (Bild 1). Mit dieser Technik konnten wir in den zurückliegenden zehn Jahren zahlreiche Aufgaben der bodennahen Luftbildfotografie lösen, die durch folgende Spezifika gekennzeichnet ist:

• Die Gewinnung von Bildinformationen soll aus einer Höhe bis ca. 100 m über Grund nicht großflächig, sondern eher lokalisiert erfolgen.
• Es sind nicht nur orthogonale Aufnahmen, sondern Bilder unter einem kleineren Winkel gegen die Horizontale gewünscht – z. B. um die Geometrie eines Objektes zu verdeutlichen.
• Um das Objekt räumlich zu erfassen oder zu vermessen, soll die Perspektive der Aufnahme frei wählbar sein.
• Bildinformationen von hoher Auflösung sollen kostengünstig gewonnen werden.

Die Bennert Gruppe
Bild 1: Ferngesteuerter Helikopter mit Zentralrotor und Zweitaktkolbenmotor, Motorleistung: 3,0PS, Nutzlast: 3kg, max. Flugzeit: ca. 35min

Die Fluggeräte für die bodennahe Luftbild- fotografie werden derzeit durch eine Innovation geradezu revolutioniert, über die wir hier kurz berichten möchten: Es ist dies der Quadcopter (Bild 2). Bei dem neuartigen Luftfahrzeug wurde der Hauptrotor des herkömmlichen Helikopters mit seiner mechanisch sehr aufwändigen Rotorblatt- verstellung durch vier Rotoren mit starrer Achse ersetzt. Sie werden durch frequenzge- steuerte Drehstrommotoren angetrieben, wobei der Drehstrommotor als das robusteste Antriebsaggregat der gesamten Technikge- schichte mit der geringsten Ausfallwahr- scheinlichkeit gelten kann. Das Steuerungs- prinzip des durch Lithium-Ionen- Batterien angetriebenen Quadcopters ist denkbar einfach: Wenn die Drehzahl der beiden hinteren Rotoren erhöht wird, neigt sich das Gerät nach vorne und fliegt geradeaus. Beim Rückwärtsflug müssen sich die vorderen Rotoren schneller drehen, für rechts und links jeweils die Seitenpaare. Während die präzise Steuerung des Hubschraubers mit Hauptrotor sich als eine Kunst erweist, die man erst nach mehr als hundert Flugstunden beherrscht, ist

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Bild 1: Quadcopter des Herstellers microdrones GmbH mit vier 250W - Drehstrommotoren, batteriegetrieben, Flugdauer mit 0,5kg Nutzlast ca. 45min

der Quadcopter ein ausgesprochen leicht zu lenkendes Mini-Fluggerät. Bei technisch fortgeschrittenen, mit GPS ausgerüsteten Versionen kann eine Flugroute einpro- grammiert werden, der die fliegende Spinne dann ohne weitere Einwirkung des Steuerers folgt. Trotz der vergleichsweise leichten Handhabung kommt uns bei der Nutzung dieses innovativen Fluggerätes die über viele Jahre gesammelte Erfahrung sehr zugute. Zum Abschluss der Betrachtung des kleinen, ferngesteuerten Quadcopters möchte der Autor eine Voraussage wagen: In einigen Jahren werden wohl große bemannte Fluggeräte dieser Art am Luftverkehr teilnehmen. Während die Modelltechnik bisher nur die Miniaturisierung ihrer großen Vorbilder betrieb, wird sie im Falle des Quadcopters die große Technik vorantreiben.
Wir danken für eine mehrjährige hervorragende Zusammenarbeit: Herrn Riehn von der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-AnhaltFrau Petzold vom Planungsbüro Dr. Ribbert und Saalmann in Magdeburg, Herrn Köhler vom Ingenieurbüro Köhler + Partner in Magdeburg

Handwerklich machten sich um Schloss Plötzkau verdient: A. Braune, D. Ebert, S. Garbers, S. Geier, S. Groth, W. Heinzel, J. Henkel, A. Herbarth, L. Langbein, R. Schmidt, H. Skupin, U. Tromsdorf, W. Wazula, R. Zahn