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Es begann mit einer Spezial-Seilschaft

Thüringische Landeszeitung, 24.04.2007 Die Bennert Gruppe

Weimar/Hopfgarten. (tlz) Restaurierungsbetriebe, die im Internet parallel mit Walhalla und Wartburg, Schloss Neuschwanstein, Brandenburger Tor und zahllosen hochkarätigen Prestigeobjekten mehr für sich werben, übertreiben entweder, oder sie spielen in der ersten Liga. Auf die Bennert-Gruppe in Hopfgarten trifft letzteres zu.

Wulf Bennert gehört zu den Leuten, denen der Wahnsinn so fern scheint wie eine andere Galaxie. Der Geschäftsführer des von ihm begründeten Unternehmens ist ein Mann von leiser Zuvorkommenheit, einer, der wenig lacht, seine Rede dann und wann aber mit einem feinen Hauch Ironie würzt. Den Anteil Wahnsinn in sich hat Bennert in den Gegenstand seines Erfolgs transformiert: Die Unternehmensgruppe steht für einfallsreiche Methoden zur Denkmalssicherung und Restaurierung. Und sollte dereinst einmal von der Bennertisierung der Denkmalpflege die Rede sein, dann dürfte endlich ein angemessener Begriff gefunden sein für das bundesweite Wirken dieses Unternehmens aus dem Weimarer Land.

Den Ausgangspunkt allen Erfolgs bilden einige Exkursionen ins Pamirgebirge in den ausgehenden Siebzigerjahren. Bennert war damals Oberassistent an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar und, wie er betont, kein Genosse. Die Kunde von den kühnen Fünftausender-Besteigungen der Bautechniker-Seilschaft hatte die Runde gemacht. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die erste Gemeinde vorsichtig anfragte, ob sich die Bergsteiger ausnahmsweise einmal an einem desolaten, keinem Gerüstbauer mehr zumutbarem Kirchturm abseilen und Reparaturen ausführen könnten.

Eine Blase im Meer

Die freie Gruppe um Bennert hatte sich also lange vor der Wende als Spezialistentrupp zur Denkmalrestaurierung einen Namen gemacht. Denn nichts lief in der DDR so gut wie die Improvisationen. Die Gruppe schwamm, wie Bennert plastisch formuliert, "als marktwirtschaftliche Blase im Meer der Planwirtschaft".

Dabei ist es nicht Kühnheit, was dem Konzept zugrunde liegt, sondern die Suche nach naheliegenden, aber ungewöhnlichen Methoden. Kirchturmhauben nach ihrer Stabilisierung kurzerhand in einem Stück herunter zu heben und auf ebener Erde neu zu decken, ist eine davon. Er habe, sagt Wulf Bennert, eine distanzierte Einstellung zum Baugerüst. Seinen Auftraggebern bringt das entscheidende Kostenvorteile, was wiederum Kommunen, Gemeinden und andere Bauherren in die Lage versetzt, trotz knapper Kasse Denkmalssicherung zu betreiben. Anfangs schockierte die Bennert-Methode, man hielt sie für Wahnsinn, inzwischen wird sie kopiert.

Die Entwicklung des Betriebs, der von Investitionen in die Denkmalserhaltung lebt, wirkt daher auf den ersten Blick paradox: Umgekehrt proportional zum abnehmenden Fluss der Fördermittel hat sich die Mitarbeiterzahl der Bennert-Gruppe entwickelt. Kontinuierlich geht es bergauf, von anfangs sieben auf heute 300 Leute. Das Unternehmen setzt sich nunmehr aus einzelnen GmbH für Bauwerkssicherung, für Restaurierung, für Dachsanierung, Garten- und Landschaftsgestaltung, aus der Bauwerkssanierung Freyburg und dem Medienunternehmen Monumedia zusammen.

3000 Baustellen standen bis heute mindestens zeitweise unter dem Bennert-Logo, der von innen mit einer Stütze gesicherten Barockkirche. Dass der Firmengründer auch privat in einem Denkmal wohnt, versteht sich fast von selbst. Nur für Pamir-Exkursionen bleibt Wulf Bennert so gar keine Zeit mehr. 

Von Sabine Brandt