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benutzt. Dennoch bestand schließlich bei allen Beteiligten Einigkeit darüber, dass es sich bei dem fragilen Bauwerk um ein einzigartiges Zeugnis längst vergangener Zeit handelt, wie es sonst kaum noch zu finden ist. Ein Verein der Burgfreunde Dollnstein setzte sich für seine Bewahrung ein und sammelte Geld; mit Zuwendungen des bayrischen Landesamtes für Denkmalpflege und Eigenmitteln der Gemeinde konnte die für Planung und Ausführung der Sanierung erforderliche Summe aufgebracht werden. Die denkmalpflegerische Zielstellung forderte dabei - einen maximalen Erhalt der Originalsubstanz
- Beibehaltung der Verformungen
- statische Ertüchtigung mit minimalen Eingriffen
- Kombination handwerklicher zimmermannsmäßiger Techniken mit weitgehend verdeckten Stahlbauteilen und Spezialverfahren.
Der historische Raumeindruck sollte wieder hergestellt werden und die ehemalige Nutzung der Räume wieder ablesbar sein. Bei der Betrachtung des umseitigen Fotos kann man - so meinen wir - die Erreichung dieses Ziels eigentlich nur bestätigen. Das sparsame Tragwerk, dessen Statik bei seiner Errichtung vor rund 600 Jahren niemand zu berechnen vermochte, besitzt trotz seiner rustikalen Oberflächen beinahe eine gewisse Eleganz, und die modernen Stützungen seiner Altersschwäche fügen sich unauffällig in den Raum ein. Eine so anspruchsvolle Zielstellung muß mit spezialisierter Fachkunde planerisch untersetzt und mit großer Sachkenntnis praktisch umgesetzt werden. Für interessierte Fachleute seien hier die Vorgaben im Einzelnen genannt: Sparren (die im Altmühltal Rofen heißen) - Sanierung der Fuß- und Firstpunkte mit Schlitzblechverbindungen, Ergänzungen mit aufbereitetem Altholz
- Einbau neuer Sparren aus Altholz
- Anschluß an Pfetten mit Holznägeln nach historischem Vorbild
Deckenbalken - Sanierung der Auflagerpunkte mit Schlitzblechverbindungen, Ergänzungen mit Altholz Eiche
- Einbau kompletter Deckenbalken aus Altholz Eiche bei zu großen Balkenabständen oder zu schwachen Balken, Balkenauflager mit Mauerschwellen verkämmt
Fachwerkwände - Gefachesicherung mit vertikalen Weichabstützungen
- traditionelle zimmermannsmäßige Sanierung
- Säulen teilweise mit BETA-Prothetik ergänzen
- Ergänzungen mit Eiche-Altholz als Vierungen oder Ausklotzungen, Querschnittsergänzungen mit REMMERS-PU Holzersatzmasse
Schwellen / Rähme - traditionelle zimmermannsmäßige Sanierung
- Ergänzungen mit BETA-Prothetik, Querschnittsergänzungen mit REMMERS-PU Holzersatzmasse
Stuhlkonstruktion - Wiederherstellung nach historischem Vorbild
- Ergänzungen mit Eiche-Altholz
- Verbindungen der Pfetten mit verdeckten Schlitzblechen, sonstige Verbindungen traditionell
Böden - vorsichtiger Ausbau und Zwischenlagerung der historischen Dielung
- Ergänzungen zerstörter oder fehlender Dielen nach historischem Vorbild
- Einbau von aussteifenden Scheiben aus BFU-Platten als nicht sichtbare Zwischenlage
Dachlatten (hier Harnickel genannt) - Markierung, Ausbau und Zwischenlagerung der Harnickel
- Einbau alter und neuer Harnickel aus Eiche-Spalthölzern entsprechend der alten Lage
- Befestigung der Harnickel traditionell mit Holznägeln, zusätzliche Sicherung durch Edelstahlschrauben; die Harnickel müssen zur Aufnahme der schweren Deckung aus Kalksteinplatten geeignet sein
Spezialleistungen - Versetzen einer kompletten Fachwerkwand 8,5m x 5m inkl. Ausmauerung um ca. 1m
- Ertüchtigung von Fachwerksäulen im BETA-Verfahren durch: Abtrennung der noch erhaltenen Säulenoberfläche in einer Stärke von ca. 4 cm, Aushöhlen der Säule, Einsetzen von Armierungen aus GFK-Stäben, Aufsetzen der abgetrennten Schale, Ausfüllen des Hohlraums mit BETA-Polymerbeton
- Aufwändige Sanierung der Rähme im BETA-Verfahren und mit Holzersatzmasse unter der Forderung nach größtmöglichem Substanzerhalt, vorsichtiges Ausschälen des geschädigten Holzes und Verfestigung der Holzoberflächen
- Rückverankerung einer Außenwand im Zwischenbauzustand
- Rückverformung der Dachkonstruktion
- Verstärkung von Unterzügen mit verdeckt eingebauten Schlitzblechen bis 8 m Länge
All diese speziellen Techniken summierten sich zu einer holzrestauratorischen Leistung, die weit über das übliche Zimmererhandwerk hinausgeht.
Auf so viel Handwerk soll nun noch ein wenig Historie folgen. Die im Landkreis Eichstätt gelegene Gemeinde Dollnstein konnte im Jahr 2007 das 1200-jährige Jubiläum ihrer urkundlichen Ersterwähnung feiern. Im Jahr 1007 schenkte König Heinrich II. dem Benediktinerinnenkloster Bergen ein „Tollunstein“ genanntes Gut mitsamt allen zugehörigen Dörfern, Leibeigenen und Nutzungsrechten. Am Ende des 12. Jahrhunderts erhob sich hier auf einem 80 m langen Felsen eine Burg, die den Grafen von Hirschberg gehörte. Diese Burg Dollnstein wird sogar im Parzival des Minnesängers Wolfram von Eschenbach erwähnt. Ein Licht auf die damals offenbar sehr turbulente Zeit wirft der 2008 bei einer Routinegrabung auf der Burg gefundene Schatz mit 3000 Silbermünzen. Zwischen 1250 und 1260 gab es kriegerische Auseinandersetzungen der Hirschberger Grafen mit König Ottokar von Böhnen, der wochenlang durch das Land zog und ihre Burgen belagerte. Der Gedanke liegt nahe, dass man den Schatz vergrub, als der König vor Burg Dollnstein stand. Und diejenigen, die um seine Existenz wußten, wurden wahrscheinlich bei der Einnahme der Burg getötet, sonst wäre der Schatz wohl kaum für Jahrhunderte in der Erde geblieben. Auch die Zimmerleute von BENNERT „bedichteten“ im Richtspruch den Fund:
Um die Vergütung machen wir uns keine Sorgen, wurd’ hier doch kürzlich erst ein Schatz geborgen. Dreitausend Silbermünzen in einem Topf aus Ton decken sicherlich auch uns’res Werkes Lohn.
Doch die Münzen standen für die Auszahlung des Werklohns nicht zur Verfügung, weil sie durch Restauratoren der staatlichen Münzsammlung in München untersucht werden.
Nach dem Aussterben der Hirschberger Grafen und einigen Besitzerwechseln kam die Burganlage in das Eigentum des Hochstifts Eichstätt, wo sie bis zur Säkularisation im Jahre 1802 verblieb. Zwei Jahre später erwarben Dollnsteiner Bürger sie bei einer Versteigerung. Die Hauptburg riß man ab, um Baumaterial zu gewinnen; die Vorburg blieb als Wohnung für arme Leute erhalten. Ihrem immer weiter fortschreitenden Verfall wurde erst 2009 ein Ende gesetzt.
Für den Dank an die Partner bei diesem Bauvorhaben zitieren wir noch einmal aus dem Richtspruch:
Nun will ich heute von hier oben auch die tücht‘gen Planer loben: Herr Häffner und Frau Feulner, die Architekten, die in das Werk ihr ganzes Können steckten.
Doch ein Zeugnis Ihrer Schaffenskraft haben auch die Statiker geschafft. Herr Döhring und Frau Kolbe sind hier zu nennen, deren Kompetenz wir schon von and’ren Bauten kennen.
Zu nennen sind auch unsere Mitarbeiter Mario Grosse, Frank Gerlach und Chris Malisius (deren Kompetenz wir schon von and’ren Bauten kennen).
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