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Bennert-Journal - Juli 2010

Die Bennert Gruppe

Themen dieser Ausgabe:

+++ Konradsburg in Ermsleben +++ Rathausfassade Wesel +++ Neueste Baustellen +++ Neue Mitarbeiterin Ingenieurbau +++ Infos +++ Foto des Monats +++

 

 

Horizontalsperrung hochbelasteter Säulen ohne Lastabfangung – eine innovative Leistung unserer Firma auf der Konradsburg in Ermsleben

Die etwa drei Kilometer von Ermsleben entfernte Konradsburg gehört zu den bedeutend- sten Zeugnissen der Spätromanik in Mitteldeutschland. Um 1200 errichteten hier Benedik-tinermönche eine fünfschiffige Basilika, von der heute leider nur noch der Chor und die Krypta erhalten sind. Nach der Erstürmung 1525 im Bauernkrieg war das Kloster nicht mehr zu halten, so dass das eigentliche Kirchenschiff um 1540 abgebrochen wurde. Aber auch die Reste des monumentalen Sakralbaus sind heute noch beeindruckend, vor allem die Krypta mit ihren zehn Säulen, von denen jede ein anderes Kapitell trägt. Zu DDR-Zeiten wurde sie als Schweinestall genutzt – diese Barbarei hätte fast das Ende des Bau-werks zur Folge gehabt, denn in den Säulen stiegen konzentrierte Nitratlösungen auf, die den Sandstein immer weiter entfestigten.
Weil sich schon Risse in den Säulen zeigten, veranlasste die Stiftung Schlösser und Dome in Sachsen-Anhalt neben anderen Sicherungsmaßnahmen für Chor und Krypta auch eine Ent- salzung der Säulen im Kompressenverfahren. Damit war jedoch dem Nach- schub der Salz- lösungen aus dem Untergrund der Weg nach oben noch nicht versperrt, und es waren weitere Schädigungen zu befürchten. Eigentlich mit anderen Arbeiten an der Krypta befasst, schlugen wir der Stiftung vor, die Säulenbasen zu unterschneiden und mit Walzblei dauer- haft gegen aufsteigende Feuchtigkeit zu sperren. Bei diesen Arbeiten sollten aus Kosten- gründen keine Abfangungen der von oben aus dem Chorraum in die Säulen eingetragenen Lasten erfolgen, obwohl diese mit bis zu 190t erheblich waren. Ein weiteres Problem war die Tatsache, dass die romanischen Steinmetzen vor 800 Jahren den Sandstein von vier Säulen nicht lagegerecht eingebaut hatten – seine Spaltflächen standen senkrecht und konnten sich durch die mit dem Unterschneiden verbundenen Änderungen des Kraftflusses öffnen. Technologisch mussten damit folgende Probleme gelöst werden:

1. Die Breite eines einzelnen Teilschnittes mit der Diamantseilsäge war nur so groß zu wählen, dass der Restquerschnitt die Säule noch trug.
2. Beim Verfüllen des Sägeschnitts mit einem frühhochfesten Stopfmörtel musste ein Frei-raum für das erneute Einfädeln des Diamantseiles abgetrennt werden.
3. Der nächste Teilschnitt mit der Säge durfte erst erfolgen, wenn der Stopfmörtel eine aus- reichende Druckfestigkeit erreicht hatte.
4. Die Säulen waren zuverlässig gegen Aufspaltung während des geänderten Kraftflusses zu sichern.

Die Bennert Gruppe

Problem 1 konnte mit einer statischen Be-rechnung gelöst werden; bei 2 war ein Schlauch passenden Durchmessers die Lö- sung, der vor dem Einbringen des Mörtels unter Druck gesetzt wurde. Während bei Punkt 3 bereits die Datenblätter des Stopfmörtels halfen, erwies sich 4 als ein Problem, das nur mit mehreren Maßnahmen zu bewältigen war. Dazu gehörten außer eingeklebten Edelstahl- nadeln schließlich auch formschlüssige Um- spannungen der teilweise kannelierten Säulen und die Montage biegesteifer Rahmen aus Profilstahl mit Stellschrauben an den Säulenbasen.

Die Bennert Gruppe

Der Formschluss der Umspannung an die kompliziert geformte Säulenoberfläche konnte auf sehr einfache Weise erreicht werden: Haushalts-Gefrierbeutel wurden mit dem Stopfmörtel gefüllt und durch einen schweren Spanngurt an die Säule gedrückt. Nach dem Abbinden des Mörtels ließ sich der Gurt bis zu seinem Maximalwert anspannen.
Die Arbeiten waren auch körperlich recht an- spruchsvoll. Der Stopfmörtel musste mit spe- ziell angefertigten Werkzeugen bäuchlings liegend in den Sägeschnitt absolut vollfugig eingebracht werden.

Dieser unbequemen Aufgabe unterzogen sich Günter Christ und Thomas Vent, denen an dieser Stelle gedankt sein soll.
Nach etlichen spannenden Tagen waren schließlich alle zehn Säulen unterschnitten und mit Walzblei gesperrt, ohne dass auch nur die geringsten Schäden an den Säulen oder den darüber befindlichen Kreuzgewölben aufgetreten wären. Bei der Schlösserstiftung und auch beim Landesamt für Denkmalpflege in Halle hat diese Leistung große Anerkennung gefunden.

 

 

Wiederaufbau Rathausfassade Wesel hat begonnen

Am 25.6. 2010 war es soweit: Unsere beiden Steinmetze Holger Wipprecht und Kenny Krause haben die erste Reihe der Fassade des Rathauses Wesel verlegt. Das Bauwerk wurde im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört. Durch die teilweise Rekonstruktion soll das alte Stadtbild wieder annähernd hergestellt werden. Lothar Damm, Beauftragter der Bürgerstiftung Historisches Rathaus, sprach von einem lange ersehnten Tag. Insgesamt wurden 83 Kubikmeter Werksteine mit einer Masse von knapp 150 Tonnen anhand von Originalplänen auf unserer 5-Achs-Steinsäge nachgebildet und nach Wesel zur Zwischen- lagerung transportiert.
Bei dieser zweiten Grundsteinlegung war absolute Maßarbeit gefragt: Sofern man die Werksteine nicht millimetergenau einpasst, würden sich Fehler wegen der bereits genau aufeinander abgestimmten Steine bis in die oberen Reihen hinein fortsetzen. Wir wünschen unseren Mitarbeitern Wipprecht und Krause auch weiterhin das nötige Augenmaß und viel Erfolg bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe.