Augenmaß für krumme Dachflächen und Schwindelfreiheit – Neueindeckung einer wellenförmigen Dachfläche von 1000 m² mit Biberschwanzziegeln in teilweise bis zu 140 m Traufhöhe.
beteiligte Arbeitsbereiche
Deckungen komplizierter Dachgeometrien
Ziegeldeckung
Ausführungszeitraum
09/2007 bis 09/2008
Ansprechpartner
Hartmut Fabian
Planungsbüro
Ingenieurbüro Hans Siegmüller
Nürnberger Str. 249
93059 Regensburg
Maßnahme
Neueindeckung einer Dachfläche von 1000 m² mit Biberschwanzziegeln
Beschreibung
Wer auf der Straße zwischen Kelheim und Riedenburg unterwegs ist, dem bietet sich schon von weitem der imposante Anblick der blütenweißen Burganlage mit ihren markanten roten Ziegeldächern, die auf einem über 100 m hohen Felsvorsprung emporragt. Seine Ursprünge hat der Bau bereits im elften Jahrhundert. In den darauffolgenden Jahrhunderten gehen regelmäßig bauliche Veränderungen einher. Anfang des 17. Jahrhunderts wird der prominente Renaissance-Bau auf der Südseite errichtet. Die einstige Burg nimmt damit zunehmend Schlosscharakter an.
Die Grundrisse der Mauern sind außerordentlich schiefwinklig und unregelmäßig. Diese Asymmetrie der Gebäude wirkt sich schließlich auch auf deren Dachlandschaft aus und verleiht ihr eine außerordentlich ungleichmäßige Form. Hinzu kommt noch, dass die einzelnen Sparrenbalken der Dachstühle über die Jahrhunderte hinweg jeder für sich eine individuelle Gestalt angenommen haben und somit dieohnehin schon unregelmäßigen Dachflächen auch noch eine wellige Form haben. Für jeden einzelnen der Sparrenbalken, die in ihrer Länge bis zu einem Meter voneinander abweichen, war das individuelle Lattmaß zu ermitteln. Eine weitere Herausforderung bestand in der Herstellung des wellenförmigen Ortganges. Dabei musste in jeder Ziegelreihe dahingehend voraus- schauend gearbeitet werden, dass der letzte Ziegel auf dem Ortgang etwa drei Viertel der Fläche eines unbearbeiteten Ziegels einnimmt (sog. Dreivierteldeckung). Damit dies gewährleistet ist, waren gelegentlich bereits vorherige Ziegel in der Reihe entsprechend zu verschmälern. Die eigentliche Kunst bei der Arbeit auf einer welligen Dachfläche besteht jedoch in dem sogenannten Niederarbeiten der Dachziegel. Dabei werden die Kanten der Biberschwänze mit einem Ziegelhammer individuell abgeflacht, um ein sogenanntes Schnabeln beim Übereinanderlegen der Ziegel zu verhindern. Diese Arbeit erfordert vom ausführenden Dachdecker außerordentliches handwerkliches Geschick und Feingefühl.
Bilder